Das Modell der Familienarbeitszeit meint: Nicht weniger, sondern mehr Arbeitskraft für Unternehmen!

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Eltern mit zwei Kindern auf dem Sofa sitzend

Die von der neuen Familienministerin Schwesig losgetretene Debatte zur Einführung einer 32-Stunden-Woche für Eltern hat viel negative Schlagzeilen bewirkt. Kritisiert wurde, dass Eltern von den SteuerzahlerInnen eine enorm teure Arbeitszeitverkürzung ermöglicht werde. Die Familienarbeitszeit wurde außerdem als ein unnötiger Eingriff in den Arbeitsmarkt und eine übermäßige Belastung für Unternehmen gesehen. 

Das Modell der Familienarbeitszeit, so wie es vom DIW entwickelt wurde, wurde jedoch verkürzt und nicht richtig verstanden. Das Modell könnte nämlich zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen. Die meisten Eltern könnten auf diese Weise mehr und nicht weniger arbeiten. Davon würden dann die deutschen Unternehmen gerade in Anbetracht des demografischen Wandels profitieren. Die Kosten für den Steuerzahler wären zumindest in der Anfangszeit recht überschaubar.

Das Modell sieht vor, dass Mütter und Väter, die beide rund 32 Stunden arbeiten, eine Lohnersatzleistung erhalten. Diese gleicht individuell einen Teil des Einkommensausfalls im Vergleich zu einer Vollzeit-Erwerbstätigkeit aus. Gedacht ist diese Leistung zunächst für drei Jahre im Anschluss an das Elterngeld. JEDOCH bekommen Mütter und Väter die Lohnersatzleistung nur dann, wenn sich beide gleichzeitig für diesen Arbeitszeitumfang entscheiden. Die Idee ist, einen finanziellen Anreiz für das „2 mal 0,8-Verdiener-Modell“ zu schaffen, das im Gegensatz zum klassischen „Einverdiener-Modell“ oder „1,5-Verdiener-Modell“, in Deutschland für viele Familien kurzfristig finanziell eher unattraktiv ist.

Aufgrund von Ehegattensplitting, beitragsfreier Mitversicherung, Minijobs etc. ist die klassische Arbeitsaufteilung für viele Familien finanziell lohnender. Das führt kurzfristig dazu, dass Eltern Arbeitszeitkombinationen wählen, mit denen sie nicht zufrieden sind: Nach Umfragen wünschen sich gut 60 Prozent der Eltern, dass beide Partner in gleichem Umfang erwerbstätig sind und sich gleichermaßen um Haushalt und Familie kümmern. Der Großteil der Familien mit kleinen Kindern folgt in Deutschland noch immer dem Einverdiener-oder dem 1,5-Verdiener Modell. Dies führt langfristig
dazu, dass Mütter, die längere Erwerbspausen oder Zeiten mit geringfügiger Beschäftigung haben, später im Lebensverlauf niedrigere Einkommensperspektiven und geringere Rentenansprüche haben.

Die Intention der Familienarbeitszeit ist eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Mütter und Väter von Kindern im Alter von ein bis drei Jahren, die dadurch gelingen kann, dass sich beide Elternteile gleichmäßig in Familien und Erwerbsarbeit engagieren.

Mehr Informationen auch zu den fiskalischen Auswirkungen gibt es im DIW-Wochenbericht 4/2014.