Studie zeigt Paradigmenwechsel in den Einstellungen zur Berufstätigkeit und Elternschaft

Eine aktuelle Studie des Markt- und Sozialforschungsunternehmens Ipsos GmbH zeigt einen Wandel in der grundsätzlichen Einstellung zu Berufstätigkeit und Elternschaft. Die SozialforscherInnen sprechen von einem grundlegenden Paradigmenwechsel in der Einstellung zum Berufsleben.

Über zwei Drittel der Bevölkerung (67%) finden es geradezu „ideal“, wenn in einer Familie „beide Partner berufstätig“ sind. In einer repräsentativen Umfrage wurden 1.000 Personen ab 14 Jahren befragt.

Noch vor fünf Jahren berfürworteten dies nur 56 Prozent. Dahinter steht vermutlich, dass in den wirtschaftlichen unsicheren Zeiten beide Elternteile auf das Geld angewiesen sind, um eine Familiengründung zu wagen und eine Familie finanzieren zu können.
 
Die Bereitschaft sinkt mit Kindern auf die eigene Berufstätigkeit zu verzichten. Noch 2008 vertrat die Mehrheit der BürgerInnen (70%) die Auffassung, dass es besser sei, wenn nur ein Elternteil arbeitet und der andere die Erziehung der Kinder übernimmt. Inzwischen vertreten diese Meinung nur noch 52 Prozent der Menschen (Frauen: 50% - Männer: 54%).

Neue Rollen in Familie und Politik
Diese Entwicklung stellt eine große Herausforderung für das Berufs- und Familienleben und die Politik dar. Nahezu alle Befragten (90%) sind der Meinung: „Die von der Politik geforderte Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss für Frauen und Männer gleichermaßen gelten“. Dies bedeutet auch, dass an den Staat und auch die Wirtschaft bestimmte Ansprüche gestellt werden. Beispielsweise fordern 40% ganzjährig geöffnete Ganztagskindergärten.

Und auch die Unternehmen werden hier in die Pflicht genommen. Drei Viertel der Berufstätigen in Deutschland erwarten mittlerweile von den Unternehmen zur Betreuung ihrer Kinder Betriebskindergärten (berufstätige Frauen: 79% - berufstätige Männer: 71%). Wer als Unternehmen qualifizierte Führungs- und Fachkräfte sucht, wird sich in Zukunft bei potentiellen Mitarbeitern regelrecht bewerben und neue qualitative Anreize bieten müssen, in denen es mehr um die Erhaltung von Lebensqualität und nicht nur um Einkommenserhöhungen geht.

Das Unternehmensengagement für Betriebskindergärten oder garantierte Belegplätze in betriebsnahen Kitas zahlt sich aus. Betriebskindergärten zählen unter Umständen auf Dauer mehr als Betriebsaktien.
 
Fazit der Studie: Über die Vereinbarkeit von Betriebs- und Familienpolitik müsse neu nachgedacht und entschieden werden. Arbeits- und Lebenszeiten sind aufeinander abzustimmen und in ein Gleichgewicht zu bringen. Intensiven Arbeitsphasen stehen
gleichermaßen und gleichwertig intensive Familienphasen gegenüber, die miteinander koordiniert werden müssen und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Davon profitieren schließlich beide Seiten. Nur so bleibt genügend „Vollzeit“ für Phasen außergewöhnlicher beruflicher Leistungsanforderungen, aber auch Gelegenheit für Teil- oder Auszeiten zur Familiengründung und Kindererziehung.

Link zur Ipsos-Studie