Vorgelegt: Siebter Berliner Gender Datenreport

Junge Frau mit Aktentasche

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Vater, Mutter, Kind - das traditionelle Familienmodell ist in Berlin weiter auf dem Rückzug. Mittlerweile sind die Eltern von 48 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Berlin nicht verheiratet. Ein Drittel der Eltern ist alleinerziehend. Diese wiederum sind fast ausschließlich - nämlich zu 90 Prozent - Frauen. Das ist eine Erkenntnis aus dem aktuellen Gender Datenreport, den die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen in Zusammenarbeit mit dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg jährlich veröffentlicht. Der vorliegende, siebente Report wertet die amtlichen statistischen Daten des Jahres 2014 unter den verschiedensten Aspekten der Geschlechtergerechtigkeit aus.

Einige Schlaglichter aus den Inhalt:

Demografie: Ehe und Familie sind nach wie vor bedeutende Formen des Zusammenlebens. Neben die traditionelle Ehe mit Kindern sind aber in vergleichbar großer Zahl unverheiratete bzw. alleinerziehende Eltern getreten.

Bildung: Junge Frauen sind heute in Schulen und Hochschulen bereits erfolgreicher als ihre männlichen Mitschüler und Studenten. Bei Berufs- und Studienfachwahl bleiben vielfach noch alte Rollenvorstellungen lebendig.

Erwerbsleben: Die Erwerbsorientierung von Frauen, auch mit Kindern, ist hoch. Die Arbeitsverhältnisse sind jedoch häufiger als bei Männern durch Teilzeit, geringere Aufstiegschancen und prekäre Beschäftigung geprägt.

Einkommen: Frauen sind zunehmend ökonomisch selbständig, allerdings im Durchschnitt mit deutlich geringerem Einkommen als Männer. Teilzeitarbeit, die „gläserne Decke“ sowie höhere Einkommen in Männerbranchen sind die Ursache.

Gesundheit: Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer. Unterschiede in den Lebensumständen, dem persönlichen Lebensstil sowie im Gesundheitsverhalten spielen eine wichtige Rolle.

Politische Partizipation: In der Politik sind Frauen von der Gleichstellung noch weit entfernt. Sie gewinnen aber zunehmend Einfluss in Parlamenten, Ministerien sowie in Spitzenpositionen von Politik und Parteien.

Es gibt aber auch positive Entwicklungen im aktuellen Gender Datenreport. So haben mittlerweile mehr Frauen als Männer die allgemeine Hochschulreife (47 Prozent zu 44 Prozent) oder einen Hochschulabschluss (31 Prozent zu 30 Prozent). Deutlich ist der Vorsprung in der Altersgruppe der 25- bis 35-jährigen. Hier haben 38 Prozent einen Hochschulabschluss gegenüber nur 30 Prozent der gleichaltrigen Männer.

Im Erwerbsleben fassten Frauen nach der Rezession der 90er Jahre schneller wieder Fuß als Männer: Die Erwerbstätigenquote der Frauen hatte bereits 2014 das Ausgangsniveau überschritten und stieg im vergangenen Jahr weiter auf 67 Prozent; Männer blieben mit einer Quote von 71 Prozent noch darunter.

Allerdings verdienen Frauen im Durchschnitt immer noch weniger als Männer. So erzielten von allen Erwerbstätigen 24 Prozent der Frauen aber 35 Prozent der Männer Einkommen von über 2.000 Euro monatlich. Bei den abhängig Beschäftigten ist die Differenz in den Monats- bzw. Jahreseinkommen mit fast 19 Prozent (2014) ebenfalls hoch. Allerdings war diese Lücke im Jahr 2008 mit 26 Prozent noch viel größer und wird seitdem kleiner.

Der Gender Datenreport enthält Daten der amtlichen Statistik mit besonderer Bedeutung für die soziale und wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen und Männern. Er ist eine wichtige Grundlage für die Gleichstellungspolitik des Landes Berlin. Der Report wird jährlich aktualisiert und ermöglicht damit auch längerfristige Vergleiche zu gleichstellungspolitischen Rahmenbedingungen und Entwicklungen. Neben Angaben zur Entwicklung der Berliner Bevölkerung werden die Themenbereiche Bildung, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Lebensunterhalt, Gesundheit und politische Partizipation für beide Geschlechter ausgewertet.

Den Genderdatenreport erhalten Sie unter www.statistik-berlin-brandenburg.de/gender/Kapitel2015/pdf/Gender_Datenreport_2015.pdf.