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Aktuelle Studie zeigt: Ehegattensplitting bremst Frauen nach der Familienphase aus

Eine repräsentative Befragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt: Fast die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen zwischen 45 und 66 Jahren meint, dass eine Arbeitszeitausweitung sich finanziell nicht lohne. Das Ehegattensplitting gilt als zentrale Bremse – eine Reform könnte bis zu 175.000 zusätzliche Vollzeitstellen schaffen.

 

Bild: KI-erstellt (ChatGPT), 10.09.2026

Wenn Mehrarbeit sich nicht auszahlt

Viele Frauen reduzieren während der Kinderphase ihre Erwerbsarbeitszeit, um zuhause die Sorgearbeit zu übernehmen. Doch auch wenn die Kinder älter sind, bleiben viele in Teilzeit oder im Minijob hängen. Die Befragung des DIW Berlin zeigt deutlich, dass dies auch an finanziellen Fehlanreize des steuerlichen Ehegattensplittings liegt. Bliebe vom Zusatzverdienst mehr Netto übrig, würden mehr Frauen erwerbstätig werden oder ihre Erwerbsarbeitszeit ausweiten.

Verantwortlich für den geringen finanziellen Anreiz ist die Konstruktion des Ehegattensplittings: Es begünstigt vor allem Konstellationen, in denen ein Partner den Großteil des Haushaltseinkommens erbringt und der andere – meist die Frau – nur wenig verdient. Weitet sie ihre Erwerbsarbeit aus, sinkt der Splittingvorteil, und vom Mehrverdienst bleibt netto kaum etwas übrig.

Die Ergebnisse der Studie “Erwerbsbeteiligung von Frauen ab 45. Empirische Evidenz zum Einfluss finanzieller Anreize
 

  • Mehr Erwerbsarbeit lohnt sich oft nicht: Rund 50 Prozent der teilzeitbeschäftigten verheirateten Frauen zwischen 45 und 66 Jahren geben an, dass sich eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit finanziell nicht lohnt. Unter den Nichterwerbstätigen dieser Gruppe sind es knapp 35 Prozent.
     
  • Großes Potenzial für mehr Beschäftigung: Eine getrennte Veranlagung von Ehepartnern könnte die Erwerbsquote um knapp 1,5 Prozentpunkte erhöhen und das Arbeitsvolumen um rund 3 Prozent steigern – umgerechnet bis zu 175.000 zusätzliche Vollzeitstellen.
     
  • Geteilte Sorgearbeit und gute Arbeitsbedingungen verstärken den Effekt – unter diesen Voraussetzungen steigt der Anteil der Frauen, die sich eine Vollzeitstelle vorstellen können, deutlich.

Seit Jahrzehnten Reform gefordert: Realsplitting statt Ehegattensplitting

Angesichts des demografischen Wandels und des beginnenden Renteneintritts der Babyboomer-Generation ist das ungenutzte Beschäftigungspotenzial ökonomisch nicht zu vernachlässigen. Die Studie fordert eine Ablösung des Ehegattensplittings durch das sogenannte Realsplitting mit einem übertragbaren Grundfreibetrag – ein Modell, das als verfassungskonform gilt und die steuerliche Belastung von Zusatzverdiensten spürbar senken würde. Die dadurch entstehenden Mehreinnahmen sollen laut Studie etwa in Form höherer Familienleistungen an die Haushalte zurückfließen.

Teilzeit ist eben oft keine freie Entscheidung

Die Befragung zeigt: Eine gleichmäßige Aufteilung der Sorgearbeit zwischen den Partner*innen wirkt sich besonders unter einer Individualbesteuerung positiv auf die gewünschte Wochenarbeitszeit aus. Auch geringe Arbeitsbelastung spielt eine Rolle. Teilzeit – gerade mit geringer Stundenzahl – ist daher oft keine bewusste Lifestyle-Entscheidung, sondern das Ergebnis struktureller Rahmenbedingungen: steuerlicher Fehlanreize, ungleich verteilter Sorgearbeit und belastender Arbeitsbedingungen. Eine Reform an diesen Stellschrauben könnte vielen Menschen vor allem eben Frauen den Weg in eine existenzsichernde Vollzeitbeschäftigung ebnen.

Studie zum Download: „Erwerbsbeteiligung von Frauen ab 45 – Empirische Evidenz zum Einfluss finanzieller Anreize" (PDF)