Schwierige Wirtschaftslage schlägt sich im Ausbildungsmarkt nieder
Immer mehr junge Menschen interessieren sich für eine berufliche Ausbildung – dennoch wurden im Ausbildungsjahr 2024/25 weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr: Zum Stichtag am 30. September 2025 waren das 476.000 neue Ausbildungsverträge, rund 10.300 weniger als im Vorjahr.
Das Angebot an Ausbildungsplätzen sank um 25.300 auf 530.300. Es blieben 54.400 Stellen unbesetzt, während 39.900 Bewerber*innen ohne Ausbildungsplatz blieben – ein Anstieg von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In schulischen Ausbildungsgängen sind die Anfänger*innenzahlen jedoch gestiegen.
Zentrales Problem: Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen
Es matcht nicht: Betriebe und Bewerber*innen suchen in unterschiedlichen Regionen und Branchen, die Qualifikationen stimmen oft nicht mit den Anforderungen überein. In beliebten Berufen bleiben viele Bewerber*innen unversorgt, während andere Branchen weiterhin offene Stellen verzeichnen.
Ungelernte weiterhin auf hohem Niveau
Die Ungelerntenquote der 20- bis 34-Jährigen liegt bei 18,8 Prozent – das betrifft 2,76 Millionen Menschen ohne Berufs- oder Hochschulabschluss. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 19 Prozent.
Geschlechtersensible Berufsorientierung bleibt wichtig
Von den rund 476.000 neuen Ausbildungsverträgen wurden gut 36 Prozent mit Frauen geschlossen. Der Bericht zeigt auch, dass Frauen weiterhin seltener in Berufen mit guten Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten arbeiten. Frauen erreichen seltener ihren Wunschberuf. Rollenbilder, Stereotype und geschlechtsspezifische Zuschreibungen im Beruf und auch anderen gesellschaftlichen Bereichen bestimmen hier immer noch. Frauen wählen Berufe, die ihnen weniger Aufstiegschancen, weniger Teilhabe am technischen und digitalen Fortschritt und weniger Entgelt einbringen, dafür aber mehr Teilzeit „ermöglichen“ mit unter Umständen weitreichenden Folgen für die ökonomische Selbstbestimmung. Dazu gehört auch, dass Männer deutlich seltener Soziale Berufe wählen.
Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung des Bundesbildungsministeriums
Mit der dieses Jahr gestarteten Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung soll gegensteuert werden – durch bessere Berufsorientierung, attraktivere Ausbildungsbedingungen und gleichwertigere Karrierewege neben dem Studium. Einen positiven Trend gibt es bereits: 79 Prozent der Auszubildenden wurden 2024 von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen. Auch die Zahl ausländischer Auszubildender stieg um 11 Prozent.
Konkrete Maßnahmen der Qualifizierungsoffensive sind (unter anderem):
- bessere Berufsorientierung, um den Übergang von der Schule in die Ausbildung zu erleichtern und junge Menschen ohne Abschluss gezielter zu unterstützen.
- Ausbau von Teilqualifikationen, damit Berufstätige ohne abgeschlossene Ausbildung leichter einen Berufsabschluss nachholen können.
- attraktivere Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
- stärkere Unterstützung von Betrieben bei Weiterbildung und Qualifizierung, etwa durch Weiterbildungsmentor*innen oder das Aufstiegs-BAföG.
- einfachere und schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, um Fachkräfte besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Links:
Berufsbildungsbericht (PDF-Dokument, 178 S.)
Datenreport zum Berufsbildungsbericht (PDF-Dokument, 7,5 MB)
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) veröffentlicht jährlich den BIBB-Datenreport. Er ergänzt den Berufsbildungsbericht der Bundesregierung um zahlreiche Daten, Indikatoren und Analysen rund um die Entwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland.