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Jede zweite erwerbstätige Frau ohne Existenzsicherung

Laut einer Berechnung im Auftrag der Frauen im Deutschem Gewerkschaftsbund fehlt mehr als der Hälfte der arbeitenden Frauen in Deutschland die Absicherung für Arbeitsunfähigkeit, Jobverlust oder Ruhestand. Grund ist auch die traditionelle Rollenverteilung.

Neuere Zahlen zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen in Deutschland: Keine eigenständige Existenzsicherung

Über die Hälfte der erwerbstätigen Frauen (53 Prozent) kann mit ihrem eigenen Einkommen ihre Existenz nicht über den gesamten Lebensverlauf absichern. Noch drastischer ist die Situation, wenn Kinder ins Spiel kommen: 70 Prozent der erwerbstätigen Frauen verdienen nicht genug, um langfristig für sich und ein Kind vorzusorgen. Das bedeutet, dass sie in Phasen der Erwerbslosigkeit – sei es durch Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder im Ruhestand – nicht ausreichend abgesichert sind. Die Werte beruhen auf Berechnungen anhand der offiziellen Entgeltstatistik.

Zu den Gründen zählt laut DGB, dass Frauen in Deutschland ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger als Männer unterbrechen. Sie sind demnach viel öfter in Teilzeit beschäftigt und ihre Stundenlöhne sind im Durchschnitt um rund ein Fünftel niedriger. 

Eine Frau ist in den wenigsten Fällen allein verdienend

Bei Paaren mit minderjährigen Kindern ist dabei nach wie vor meist der Mann derjenige, der das meiste Geld verdient – und weniger für die Kinder und den Haushalt tut. Laut Väterreport der Bundesregierung war der Mann zuletzt in 44 Prozent der Fälle in Vollzeit und die Frau in Teilzeit. In weiteren 26 Prozent ist überhaupt nur der Mann erwerbstätig. Nur bei 14 Prozent der Paare mit Kindern unter 18 arbeiten beide Vollzeit. Nur die Frau ist in lediglich drei Prozent der Familien erwerbstätig.

DGB-Frauen: Eigenständige Existenzsicherung für Frauen endlich gewährleisten!

Diese prekäre Lage ist nicht das Resultat individueller Entscheidungen, sondern die Folge struktureller Rahmenbedingungen, die Frauen in wirtschaftliche Abhängigkeit drängen. Damit Frauen gleichberechtigt am Erwerbsleben teilhaben können, muss folgende Voraussetzungen geschaffen werden:

  • Betreuungs- und Pflegeinfrastruktur ausbauen: Mehr Kita-Plätze und bessere Pflegeangebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • Partnerschaftliche Arbeitsteilung fördern: Einführung einer zehntägigen, bezahlten Freistellung für Väter bzw. zweite Elternteile nach der Geburt und Ausweitung der Partnermonate beim Elterngeld.
  • Sozial- und Steuerrecht reformieren: Abbau von Fehlanreizen wie Ehegattensplitting und Minijobs.
  • Niedriglohnsektor zurückdrängen: Stärkung der Tarifbindung, Aufwertung frauendominierter Berufe und ein existenzsichernder Mindestlohn.
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen fördern: Zuschüsse schaffen legale Arbeitsplätze und entlasten Familien sowie Pflegende.

Eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen stärkt nicht nur ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit, sondern auch die Stabilität von Familien und die Fachkräftesicherung in Deutschland.

Quelle: DGB Frauen_Existenzsicherung_2025_final.pdf (PDF, 1 MB)