Erwachsenenbildung in Berlin: Rekordzahlen bei Volkshochschulen und Weiterbildungsberatung
Der erste Berliner Erwachsenenbildungsbericht 2021–2024, den die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie veröffentlicht hat, gibt erstmals einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der öffentlich geförderten Erwachsenenbildung in Berlin. Gezeichnet wird ein positives Bild: die Erwachsenenbildung hat sich nach den Einschnitten der Corona-Pandemie stabilisiert und in vielen Bereichen sogar weiterentwickelt hat.
Das Berliner Erwachsenenbildungsgesetz (EBiG), in Kraft getreten August 2021, regelt erstmals umfassend die allgemeine Erwachsenenbildung im Land Berlin, sichert bestehende öffentliche Einrichtungen strukturell und verankert die Weiterbildungsberatung gesetzlich. Seither können Bildungsträger als "Anerkannte Einrichtung der Erwachsenenbildung in Berlin" fungieren. Aktuell sind es 75 Einrichtungen: 14 gesetzlich anerkannte Träger wie die Volkshochschulen und die Landeszentrale für politische Bildung sowie 61 freie, meist gemeinnützige Träger.
Volkshochschulen mit Höchstständen
Die zwölf bezirklichen Volkshochschulen boten 2024 rund 24.450 Kurse mit knapp 250.000 Belegungen und mehr als 913.000 Unterrichtseinheiten an – neuer Höchststand. Mehr als 70 Prozent des Angebots entfielen auf Sprachkurse, wobei Deutsch als Zweitsprache allein über die Hälfte aller Unterrichtseinheiten ausmachte. Damit leisten die Volkshochschulen einen zentralen Beitrag zu Integration und gesellschaftlicher Teilhabe.
Wer profitiert von den Angeboten?
Die Erwachsenenbildung richtet sich an alle Berliner*innen ab 16 Jahren. Besonders im Fokus stehen dabei:
- Menschen, die beruflich neu- oder wieder einsteigen möchten – etwa Frauen nach einer Familienphase,
- Zugewanderte und Geflüchtete, die Sprachkenntnisse und Orientierung suchen,
- Beschäftigte und Unternehmen, die gezielt Weiterbildung planen,
- Personen, die einen Schul- oder Berufsabschluss nachholen möchten.
Beratung flächendeckend und kostenfrei
Ergänzt wird das Kursangebot durch eine gesetzlich verankerte Weiterbildungsberatung (§ 5 EBiG), die offen, niedrigschwellig und kostenfrei ist. Sie steht allen Erwachsenen ab 18 Jahren zur Verfügung und wird an 16 bezirklichen Standorten angeboten – ergänzt durch mobile und aufsuchende Formate, etwa in Bibliotheken oder Flüchtlingsunterkünften. 2024 fanden 63 Prozent der Beratungsgespräche persönlich statt, 22,5 Prozent online und 14,5 Prozent telefonisch.
Zusätzlich: Spezielle Bildungsberatung für Frauen
Nicht Teil des Erwachsenenbildungsberichts, aber ergänzend relevant: Neben den im Bericht genannten allgemeinen Angeboten gibt es in Berlin unser eigenständiges, ebenfalls vom Senat geförderte Beratungsnetzwerk "Berufsperspektiven für Frauen". Es richtet sich an Frauen, die beruflich neu- oder wiedereinsteigen, sich umorientieren oder qualifizieren möchten, und bietet kostenfreie, unabhängige Beratung an acht Berliner Standorten sowie ein kostenloses Beratungstelefon (0800 – 4540299, Mo–Fr 10–16 Uhr) in mehreren Sprachen an. Mehr dazu hier im Menü oder auf der eigenen Website das-beratungsnetzwerk.de.
Ausblick
Trotz der positiven Bilanz macht der Bericht deutlich: Angesichts knapper Ressourcen benötigt die Erwachsenenbildung langfristig weitere finanzielle und strukturelle Unterstützung, um Qualität, Innovation und gesellschaftliche Teilhabe dauerhaft zu sichern.
Link
1. Berliner Erwachsenenbildungsbericht, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (1,2 MB, PDF)